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Externe Dokumente referenzieren — oder auch „Shooting on running targets“

Shooting on running targets

Wenn eine Spezifikation externe Dokumente referenziert, dann ist es sehr einfach, in das Pattern „shooting on a runing target“ hineinzugeraten. Das bedeutet „Der Inhalt des Requirements ändert sich implizit, ohne dass ich ihn in irgendeiner Weise angefasst habe.

Das kann im wesentlichen aus zwei verschiedenen Gründen erfolgen:

  1. Das Requirement beschreibt eine Funktion in Abhängigkeit der Zeit — Beispiel: „Das System soll pro Jahr nicht länger ausfallen als die Anzahl seiner Benutzer in Stunden.“ Sprich: bei mehr Benutzern soll dem System auch mehr Downtime eingeräumt werden, bei weniger Benutzern weniger.
  2. Das Requirement bezieht sich auf ein weiteres, externes Dokument — Beispiel: „Das System soll die Eigenschaften erfüllen, die in Dokument X auf Seite 3 beschrieben sind.“ Hier kann es dazu kommen, dass das externe Dokument geändert wird und auf Seite 3 danach etwas völlig anderes steht. Das kann dazu führen, dass es unangenehme Nachfragen gibt beim Vertrieb des Produkts, in jedem Fall aber, dass an irgendeinem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr klar ist, welche Eigenschaften das Produkt nun erfüllt.

Im vorliegenden Artikel geht es um den zweiten Fall.

Klassisches Beispiel ist die Referenzierung etwa

  • von Normen: „Das Produkt soll nach der EU-Barrierefreiheits-Richtlinie XYZ funktionieren.“;
  • von Schnittstellen: „Das Produkt soll die von System XYZ angebotenen Schnittstellen bedienen.“ oder
  • von Gesetzen: „Das Produkt soll nach § 4711 der Datenschutzrichtlinie funktionieren.“.

Allen diesen Möglichkeiten ist gemeinsam, dass ich als Requirements Manager nicht mitbekomme, wenn sich in dem externen Dokument was ändert.

Der erste Schritt ist, ein „shooting on a running target“-Requirement als solches zu erkennen. Der zweite ist dann, die Sache sauber zu machen. Folgende Möglichkeiten bieten sich an:

  • Copy & Paste: man kopiert sich 1:1 die Anforderungen aus dem externen Dokument in den Anhang des eigenen und schreibt, daß man explizit nur die kopierten erfüllen wird.
  • Einen festen Stand referenzieren: Man schreibt in die Biblography-Section des eigenen Dokuments eine feste Version (Stand) des externen Dokuments.

Die erste Möglichkeit ist evtl. die fehlersicherere, denn wenn man per Stand referenziert, ist man darauf angewiesen, daß man später den alten referenzierten Stand noch irgendwo auffindet. Man ist in der Nachweispflicht, daß man auch den alten Stand hat und kennt. Also muss man ihn sich sowieso irgendwohin sichern. Und wenn man das macht, dann muss man ihn nachher auch in den Weiten der eigenen Festplatte wiederfinden.

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